Leserbrief von Robert Rosmanith

Antwort auf den Leserbrief von Frau Frost im Lohhofer Anzeiger vom 19.1.2019.

Leider geht die Antwort von Frau Frost nicht auf die Kernpunkte des Leserbriefes von Herrn Biller ein und präsentiert sich als Pressestelle der Stadt Unterschleißheim.

Natürlich freue auch ich mich darüber, dass sowohl der S-Bahnhof in Unterschleißheim und auch der in Lohhof barrierefrei ausgebaut werden. Aber: Obwohl die Stadtverwaltung sicher eng in die Planungen und Ausführungen eingebunden war, wurde offensichtlich auch sie davon überrascht, wie schmal die Bahnsteige ausfielen. Und dafür, dass es die „fahrradfreundliche Stadt“ im Zuge des Umbaus nicht schafft, die für die Ost-WestVerbindung so enorm wichtige Unterführung (die städtische Fahrradstudie von 2013 nennt sie auf S. 28 sogar „zentrale Fahrradhauptroute“) von der Berglstraße zum Robert-Koch-Weg für Radfahrer barrierefrei auszubauen, habe auch ich kein Verständnis.

Zur Bebauungsplanentwicklung des Business Campus darf die Wahrheit nicht unter den Tisch gekehrt werden. Bei den Informationsveranstaltungen 2016 und Anfang 2017 machten die Verantwortlichen keine Höhenangaben zu den Gebäuden, sondern verwiesen im 2dimensionalen Masterplan darauf, dass dieser sich an die bestehende Bebauung im DASAGelände anpassen wird. Erst bei den später ausgelegten Bebauungsplänen wurden Gebäudehöhen mit bis zu 22 m im Randbereich zur Weihersiedlung aufgenommen. Dass Baupläne nicht nur für Normalbürger, sondern auch für die Experten der Stadt schwer verständlich sind, hat sich beim schon angesprochenen Thema „Breite der Bahnsteige“ eindrucksvoll gezeigt. Und dass auch Stadträte echt überrascht davon waren, wie ein 22m hohes Gebäude, dem sie selbst zugestimmt haben, in direkter Nachbarschaft zu einer Wohnbebauung wirkt, konnte ich selbst miterleben.

Aber kommen wir zu der für mich wesentlichen Frage: haben die Bürger eine Holschuld und sollen sie sich über die sie berührenden Themen selbst umfassend informieren? Wenn ja, würde ich bei komplexen Bebauungsplänen empfehlen, zur Einsicht in die Pläne nicht nur einen Bauexperten, sondern auch gleich noch einen Anwalt mitzunehmen. Sollte es nicht eher so sein, dass die Bürger darauf vertrauen dürfen, von ihren gewählten Vertretern offen und umfassend informiert und nicht nur mit den formell erforderlichen Unterlagen zugeschüttet zu werden?

Ein gutes Beispiel hierfür ist das von Frau Frost erwähnte „Stadtteilgespräch vom 13.9.2018“ der SPD für die Weihersiedlung, über das Frau Kolbe anschließend im LLA u.a. schrieb: „… wegen des angrenzenden Wohnbestandes wird auch nicht zu hoch gebaut werden können“ und „… gingen die Teilnehmer(innen) bestens informiert…nach Hause…“. Über das bereits genehmigte Parkhaus wurde unzureichend informiert und der kurz darauf beginnende Parkhausbau hält die Weihersiedlung seither in Atem.

Wir Bürger wissen sehr wohl, wer, wann und warum zu welchem Parteienstammtisch einlädt. Und hier sehe ich Verbesserungspotential: diese sicher wohlgemeinte Bürgerinformation sollte in den einzelnen Stadtvierteln über die Parteigrenzen hinweg stattfinden und nicht wie bisher von einzelnen Parteien veranstaltet werden, bei denen die von den Bürgern vorgetragenen Anliegen nicht vollumfänglich aufgenommen werden und keine Verbindlichkeit in der Umsetzung gegeben ist.

Fazit für mich: Unterschleißheim hat bereits heute ausreichend viele Probleme und braucht daher in den nächsten Jahren dringend eine Phase der Konsolidierung und nicht der Expansion.

Robert Rossmanith