Leserbrief zum Unterschleißheimer Zeitspiegel 2018/19

Vieles ist anerkennenswert was die Stadt Unterschleißheim für ihre Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2018 realisiert oder vorangebracht hat. Ob zur Information der Bürger hierfür eine teure Hochglanzbroschüre in tausendfacher Auflage gerechtfertigt ist stelle ich in Frage. Zumal man diese wegen der Nähe zum Kommunalwahltermin auch als Wahlkampfbroschüre betrachten kann. Und das alles finanziert mit Steuergeldern!

Der Artikel zum Businesscampus auf Seite 14 kann nicht unkommentiert bleiben. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes so, dass immer mehr Gebäude aus dem Boden wachsen. Die geplanten 4500 Arbeitsplätze sind ungefähr 2500 Arbeitsplätze mehr als zu besten Zeiten bei Siemens, EADS und Casidian. Die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und insbesondere dem Verkehr kann sich jeder an den fünf Fingern abzählen, auch wenn das Herr Bürgermeister Böck nicht wahrhaben will. Noch dramatischer wird die Situation wenn der südlich an das Businesscampus anschließende Neubaukomplex „Koryfeum“ mit bis zu 2000 Arbeits- und Hotelplätzen (Quelle: Münchner Merkur 03.09.2018; ) in Betrieb gehen wird.

Um die Arbeitsplätze im BusinessCampus darstellen zu können wird das Baurecht nicht nur bis auf den letzten Quadratmeter genutzt, es wurde sogar nachträglich die zulässige Wandhöhe investorenfreundlich von 18 m auf 22 m „geringfügig angepasst“. Dabei ist auch noch zu bemerken, dass das Bezugsniveau für die Höhenfestlegung um ca. zwei Meter höher liegt als bei den Bestandsbauten und zusätzlich Dachaufbauten bis zu 4,5 Meter Höhe genehmigt sind (Quelle: Bebauungsplan Nr. 151, 1. Änderung 2018-07-16).

Zudem ist die derzeit entstehende westliche Randbebauung des Businesscampus ein städtebauliches und architektonisches Desaster. Auf ca. 400 m Länge riegeln zwei 22 m Hohe multifunktional nutzbare Betonklötze und ein ebenso hohes Stahlgerüst eines Parkhauses das Gelände wie eine mittelalterliche Burgmauer gegen die angrenzende landwirtschaftliche Nutzfläche und die seit den 1980er Jahren bestehende Wohnbebauung ab. Dieser „Westwall“ wird sich mit dem Bau des „Koryfeums“ noch nach Süden fortsetzen. Von einer offenen Struktur ist weit und breit nichts zu sehen! Schauen Sie sich mal bei Gelegenheit die Bausünde an.

Es ist richtig, dass in Verhandlungen mit der Geschäftsführung des BusinessCampus diverse bauliche und landschaftpflegerische Maßnahmen vereinbart wurden, die zu einer Verbesserung der Nord- und Westansicht führen sollen. Im Artikel wird der Eindruck erweckt, dass dies alles der Initiative der Stadt zu verdanken ist. Das ist weit gefehlt. Ohne Eigeninitiative der Anwohner wäre hier nichts passiert. Und ganz so rosig wie dargestellt ist das Ergebnis bei weitem nicht. Die gepflanzten zwei Meter hohen Pappeln werden frühesten in sechs bis acht Jahren die maximale Wuchshöhe von 12 bis 15 Metern erreichen.

In Münchner Merkur vom 07.12.2016 wurde berichtet, dass es für den ehemaligen „Siemensparkplatz“ keinerlei Planungen für eine anderweitige Nutzung gibt. Inzwischen ist die Nutzungsart geändert (Quelle: Beschluss BA vom 04.12.2017). Im Juni/Juli diesen Jahres sollen die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs präsentiert werden. Die hierfür gemachten Vorgaben weisen keinerlei Höhenbegrenzungen aus. (Quelle: Niederschrift vom 19.12.2018 zur Bürgerfragestunde).Es sind also auch Hochhäuser nicht ausgeschlossen.

All diese Vorgänge haben zur Gründung einer Bürgerinitiative geführt, die auf der erfolgreichen Arbeit der Bürgerinitiative aufsetzt, die 2012 den Bürgerentscheid zum Hochhausprojekt Menlo-Park erfolgreich durchgefochten hat. Ihr Ziel ist es nicht gegen etwas sondern für etwas zu sein: eine hoffentlich weiterhin liebenswerte Gemeinde für unsere Bürgerinnen und Bürgern, eine Stadt-mit-Maß.

Informieren Sie sich auf der Homepage www.stadt-mit-mass.de. Die Bürgerinitiative freut sich über jeden Unterstützer.

K.-U. Reisenweber